Der Bugatti Rennfahrer

Helmut Schellenberg

ein Leben mit Bugatti

Mein Großvater Helmut Schellenberg wurde 1911 in Dresden als Sohn eines Drahtseilfabrikanten geboren.

Er fuhr zunächst auf verschiedenen Amilcars, ab 1930 erfolgreich Rundstrecken und Bergrennen in ganz Deutschland.

Einige Beispiele:

 
  • Ostmärkisches Straßendreieck Frankfurt/Oder 1. Preis
  • Hohensteinbergrennen(1. Preis)
  • Riesengebirgsrennen (Anerk. Preis)
  • Lückendorfrennen bei Zittau 1 Preis
  • Sachsenring 1933 Klassensieger Klasse K


Während der Lehrzeit sparte er sich sein Geld für ein schnelleres Auto zusammen. Er schwärmte immer schon für schnelle Ausländische Wagen der Marke Bugatti. Doch 13.000 Reichsmark für einen neuen 37 A war zuviel. Aber das Bugatti Fieber war da. Er verkaufte seinen Amilcar und mit dem Gespartem reichte es für einen gebrauchten 37A mit Kompressor. Es war der 37A der bekannten Rennfahrerin Gilka Botzow den er Anfang 1933 erwarb.

Auch mit diesem Traumauto stellten sich sogleich die ersten Rennerfolge ein.

  • Kolberg 1933 Rennen VI. Sport und Solowagen 2. Platz
  • Kesselbergrennen 1934 4. Preis
  • Riesengebirgsrennen Oberscheiberau 1934 1 Preis
  • Großer Bergpreis von Deutschland Freiburg 1934 3. Preis


Zu allem muss dazu erwähnt werden, dass damals die Privat Rennfahrer auf Achse zu ihren Rennen fuhren und nach dem Rennen gleich wieder die Heimreise angetreten haben. Im Falle meines Großvaters ging es immer von Dresden aus. Welch ein Stress!!!! Er fuhr bis 1935 sehr erfolgreich als Privatfahrer auch mit den Dresdner Rennfahrer Kollegen und Freunden Willy Seibel, Emil Rothmann, Hans Lewy, Adolf Brudes.

Doch die Zeiten änderten sich. Der NSKK und DDAC verlangten nach Deutschen Fahren mit Deutschen Autos. Ein Eintritt bei Auto Union wäre eventuell gegangen war aber aus Rücksicht auf den Vater und dessen Drahtseilfabrik nicht möglich. Und für Privatfahrer gab es ohne Kontakte keine Möglichkeit einen Deutschen Wagen zu normalen Preisen zu erwerben. Deshalb musste er das Rennen fahren aufgeben.

Nach Flucht in den Westen nach dem Krieg baute er eine erfolgreiche Drahtseilfabrik in Sinsheim/Steinsfurt bei Heidelberg auf.

Natürlich war seine Familie über seine Bugatti Vergangenheit informiert. Bei einem Spanienbesuch 1969 in Gerona sah sein Schwiegersohn Peter Reinold im Automuseum von Herrn Claret einen Bugatti, so wie er Ihn früher gefahren hatte. Mein Vater fragte ihn unverbindlich, ob er vielleicht dieses Auto verkaufen würde, da sein Schwiegervater ein alter Bugattirennfahrer war. Er sagte nicht Nein. Die Verhandlungen zogen sich bis Dezember, doch an Weihnachten 1969 holten er und sein Schwiegervater den Bugatti 37 aus Spanien nach Deutschland.

Damit begann der Virus Bugatti bei meinem Großvater erneut und bei seinem Schwiegersohn entflammte die Liebe zu alten Autos, nicht nur Bugatti. Mir war das noch nicht so geheuer, denn ich war zu klein und sollte nur Splinte sortieren. Erst mit dem Erwerb des Führerscheins erwuchs mehr Interesse.

Es begann eine Restauration von einem Jahr mit Hilfe seines Schwiegersohnes und eines damals noch nicht so bekannten Oldtimerspezialisten Helmut Feierabend. Nach erfolgreicher Restauration wurden zunächst Oldtimerrallyes gefahren. Auch die Rallye Monte Carlo für Historische Automobile war dabei die er mit großem Spaß mit seinem Schwiegersohn fuhr.

Doch es juckte meinen Großvater nach Geschwindigkeit mit einem Kompressor betriebenen Wagen. Die glücklichen Umstände ermöglichten es meinem Großvater einen 35C zu erwerben. Wie sich herausstellte einen besonderen Wagen mit Geschichte. Es war der Wagen des Tschechischen Fürsten Lobkowitz der mit einem andern Bugatti auf der Avus verunglückt war. Auch dieser Wagen wurde erst mal restauriert.
Mit dem Aufbau des 35 C endeten die Rallye Fahrten, es wurden nur noch Rennen mit dem „großen Bugatti„ gefahren.
Mein Großvater fuhr erfolgreich bis ins hohe Alter mit dem 35er bei Rundstreckenrennen und Bergrennen, wobei er seine Lieblinge hatte. So wie früher den Nürburgring Oldtimer Grand Prix, mit seinem altem Fahrerlager bis zum Umbau, den Travering und den Semmering und andere Bergrennen.
Trotz seines Alters fuhr er „seinen„ 35 von Anfang an immer mit einem Methanolgemisch. „Damit er schneller ist„ und bis auf Kleinigkeiten läuft der Motor bis heute.
Ettore sei Dank.

In späteren Jahren zog sich mein Großvater vom Oldtimer fahren zurück. Er fuhr noch 1 mal mit dem 37er 1992 zum Erinnerung an das Kesselbergrennen in Kochel am See an dem er 1934 erfolgreich teilgenommen hatte.
1997 war er dort nochmals Ehrengast mit seinem 35er, der aber von Thomas Feierabend gefahren wurde.
2002 verstarb mein Großvater.

Beide Wagen stehen im Auto und Technik Museum in Sinsheim.